PerspektivenC-Level

Engineers statt Manager

Johannes Schneider/5 Min. Lesezeit/März 2026
Engineers statt Manager

Wir haben keinen Head of Engineering. Keinen VP of Technology. Keinen Engineering Manager. Keine Teamleiter, keine Abteilungsleiter, kein Middle Management.

Nur Engineers. Externe Architektur-Expertise, wenn es darauf ankommt. Ein Managing Director, der Kundenprojekte verantwortet. Das ist die gesamte Struktur.

Das ist keine Sparmaßnahme. Es ist eine Überzeugung.

Warum wir es anders machen

In größeren Organisationen löst Management ein echtes Problem: Koordination. 200 Consultants, 40 Projekte, 15 Kunden. Bei dieser Größe braucht man Manager. Das funktioniert.

Bei unserer Größe haben wir uns bewusst dagegen entschieden. Wir schaffen die Struktur, die zu unserer Realität passt.

Was passiert, wenn man Manager weglässt

Erstens: Geschwindigkeit. Architekturentscheidungen fallen bei uns in Minuten, nicht in Tagen. Kein Ticket, kein Eskalationsprozess, kein Meeting mit dem Teamleiter, der es an den Practice Lead weitergibt. Kurze Wege, direkte Kommunikation.

Bei TeamAssistant, unserem eigenen SaaS-Produkt, zeigt sich das täglich. Ein kleines Team aus Engineers baut eine Enterprise-AI-Plattform. Architekturentscheidungen fallen direkt im Team: welches AI-Modell, welche Auth-Lösung, wie das Skills-System funktioniert. Kein Product Owner, der erst priorisiert. Kein Teamleiter, der erst abstimmt. Die Engineers, die den Code schreiben, treffen die Entscheidungen. Und setzen sie am selben Tag um.

Zweitens: Verantwortung. Ohne Manager gibt es niemanden, hinter dem man sich verstecken kann. Jeder Engineer ist direkt verantwortlich für seinen Code,
seine Architekturentscheidungen, sein Ergebnis. Das klingt nach Druck. Ist es auch. Aber es ist der richtige Druck, weil er auf Ergebnisse gerichtet ist, nicht auf Prozess-Compliance.

Drittens: Ehrliche Information. In einer Organisation mit drei Management-Ebenen wird jede Information gefiltert, bevor sie oben ankommt. Probleme werden kleingeredet, Risiken relativiert, Erfolge aufgeblasen. Bei uns erzählt mir der Engineer, der den Code geschrieben hat, direkt, was funktioniert und was nicht. Keine Übersetzungsverluste.
Keine politischen Filter.

Wie es funktioniert

Keine Manager heißt nicht keine Struktur. Es heißt andere Struktur.

Projektverantwortung statt Teamleitung. Jedes Projekt hat einen verantwortlichen Engineer. Er trifft technische Entscheidungen, koordiniert mit dem Kunden, und steht für das Ergebnis gerade. Das ist keine Management-Rolle. Es ist eine Engineering-Rolle mit Verantwortung.

Architektur-Standards durch Code Reviews. Engineering-Standards werden nicht durch Prozesse durchgesetzt, sondern durch Code Reviews und Architektur-Feedback. Entscheidende Architekturentscheidungen werden im Team diskutiert, bei Bedarf mit externem Sparring.

AI als Koordinationswerkzeug. Projektübersichten, Statusberichte, Ressourcenplanung:
Bei uns übernimmt das AI. Nicht als Experiment, sondern als fester Bestandteil unserer Arbeitsweise. Wir bauen mit TeamAssistant selbst das Werkzeug, das Koordination ohne Manager möglich macht.

Transparenz statt Reporting. Jeder sieht jedes Repository. Jeder kann in jedes Projekt reinschauen. Es gibt keine Informationssilos, weil es niemanden gibt, der ein Informationsmonopol hat. Das eliminiert 80 % des Bedarfs für Management-Meetings.

Bewusste Trade-offs

Dieses Modell ist eine bewusste Entscheidung mit klaren Trade-offs.

Konflikte lösen wir direkt. Wenn zwei Engineers unterschiedliche Architekturansätze haben, wird das im Team geklärt. Kurze Wege, klare Entscheidungsprinzipien. Architekturentscheidungen fallen im Team, nicht in Gremien.

Karriereentwicklung ist Chefsache. Entwicklungsgespräche führen wir persönlich.
Nicht delegiert, nicht formalisiert. Das ist aufwendiger, aber näher dran.

Wir stellen erfahrene Engineers ein. Ohne dedizierte Teamleiter brauchen wir Engineers, die vom ersten Tag an eigenständig arbeiten. Das filtern wir im Hiring: Wir suchen Menschen, die in der ersten Woche produktiv sein wollen.

Was Kunden davon haben

Kunden spüren den Unterschied, ohne ihn benennen zu können.

Sie spüren, dass der Engineer, mit dem sie arbeiten, Entscheidungen treffen kann. Sofort. Ohne Rücksprache mit einem Manager, der das Projekt nicht kennt.

Sie spüren, dass niemand Zeit mit internen Abstimmungen verschwendet, die dem Projekt nicht helfen.

Sie spüren, dass ihr Budget in Engineering fließt, nicht in Overhead.

Bei Siemens Energy hat unser HR Data Hub Team Plattform-Betriebskosten von über einer Million Euro auf unter 40.000 Euro gesenkt. Mit einem fokussierten Engineering-Team,
bei dem 100 % der Kapazität in das Projekt fließt.

Ein Modell für unsere Grösse

Dieses Modell ist bewusst für unsere Grösse und unsere Arbeitsweise designed.
Die Struktur passt zur Realität. Und wir passen die Struktur an, wenn die Realität es erfordert.

Wenn wir irgendwann Manager brauchen, werden wir welche haben. Aber erst, wenn das Problem existiert. Nicht vorher.

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